Inti Raymi 2004

DAS INTI RAYMI FEST

Das Inti Raymi – das Fest der Wintersonnenwende – in Cusco ist eines der größten Schauspiele Perus. Dabei hat es neben dem spektakulären Showeffekt einen ernsthaften Hintergrund, den wir in diesem Artikel etwas näher beleuchten wollen.

In der andinen Welt war die Mutter Natur seit jeher heilig. Sie barg das Leben und stand für die Präsenz des Schöpfers der Welt. Mensch - Gott und Kosmos bilden eine Einheit. Um diese Einheit aufrecht und im Gleichgewicht zu erhalten, waren nach Ansicht der Indios gewisse Rituale, Regelmäßigkeiten und Zeremonien nötig.

In der Philosophie der Inka gab es drei Welten, die HANAN PACHA (Kosmos), CAYPACHA (die reale Welt) und UCUPACHA (die Unterwelt, Heimat der dunklen Mächte).

Auch die Inka hatten einen Hauptgott: PACHACAMAC "Der Gott, der die Welt erschuf". Dieser lebte inmitten der Menschen, um ihnen als Lehrer zu dienen. Nachdem er diese Mission erfüllt hatte, begab er sich in den Kosmos. Die Menschen, die sich verlassen fühlten, schufen sich Ersatzgötter wie die Sonne, den Mond und die Sterne, damit sie auch weiterhin in Kontakt mit ihrem Schöpfergott bleiben konnten. Die Sonne, die Wärme, Licht, Energie und Leben spendet, nahm hierbei eine Sonderstellung ein. Sie galt als Lieblingssohn Pachacamacs.

Die anderen Götter waren ebenfalls seine Abkömmlinge, verfügten jedoch bei weitem nicht über die Macht und das Ansehen des Sonnengottes. Grundsätzlich jedoch standen alle Gottheiten in direktem Zusammenhang mit der Natur und Naturereignissen. Vor diesem Hintergrund hielten die Inka spezielle Zeremonien in Cusco ab, zu denen Abgesandte

Zur Feier des Inti Raymi wurde auf dem Hauptplatz Cuscos der Sonnentempel erbaut. In diesem Tempel wurde eine große Sonnenscheibe aufgestellt. Sie war aus Gold und hatte ein rundes, menschliches Gesicht, sowie Strahlen und Feuerzungen. Zu beiden Seiten der Sonnenscheibe standen zwei Löwenstatuen, deren Gesichter zur Sonne ausgerichtet waren. Der Inka selbst, festlich gewandet, kniete inmitten dieser Insignien, das Gesicht und die Hände gegen die Sonne gerichtet um zu beten und dem Sonnengott seine Regierungsarbeit darzulegen. Priester und Gelehrte taten dies ebenfalls.

Aus allen vier Teilen des Tawantinsuyu, des "Reiches der Vier Himmelsrichtungen" kamen Vertreter des ganzen Inkareiches in ihrer festlichsten Kleidung und überbrachten wertvolle Geschenke sowohl für die Götter, als auch für den Inka. Diese Zeremonie wurde begleitet von Musik.

Der Inka und die Abgesandten brachten der Sonne ihre Opfer dar, u.a. Chicha (Maiswein), Brot, Gold, Silber und feine Kleidung. Nach der Opferung eröffnete der Inka persönlich mit einem speziellen Tanz den zweiten Teil der Zeremonie. Alle Teilnehmer tanzten, aßen und tranken Chicha. Anschließend wurden aus dem Kreis der jungen Männer Helfer ausgewählt, die in den kommenden sechs Monaten die Priester bei ihrer Arbeit unterstützen sollten und dann im Dezember, während der Hauptfeier des "Capac Raymi" Festes geehrt werden sollten. Vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten dem Entzünden des "Neuen Feuers" wurde die große Sonnenscheibe aus dem Tempel auf dem ganzen Platz herumgetragen, um die Bevölkerung zu segnen und um Hilfe der Sonne für das kommende Jahr zu erbitten.

Zum Höhepunkt der Feierlichkeiten befahl der Inka, dass alle Feuer in Cusco gelöscht werden sollten. Daraufhin wurde im Zentrum der Zeremonie ein großes Feuer durch Sonnenstrahlen entfacht, die durch einen konkaven, auf Hochglanz polierten goldenen Spiegel reflektiert wurden. Von diesem Feuer wurden dann Fackeln aus Llamawolle entzündet, mit denen alle anderen Feuer in Cusco und Umgebung wieder entfacht wurden. Ein weiteres Symbol für die große und vor allem direkt sichtbare Macht der Sonne. Das "Inti Raymi" oder "Sonnenfest" ist bis heute eines der größten, wichtigsten und vor allem spektakulärsten Feste aus der vorspanischen Epoche.

Es wurde zur Wintersonnenwende am 21. Juni jedes Jahres auf dem Hauptplatz Cuscos gefeiert. Während der Sonnenwende ist die Sonne der Erde am nächsten und symbolisiert dadurch die Verbundenheit zwischen Mensch und Gott. Diese Konstellation veranlasste die Inka, ihres Glaubens nach direkte Abkömmlinge der Sonne, dieses Fest zu begehen. Da die Sonnenwende immer auch mit dem Ende der Erntezeit zusammenfiel, dankte man den Göttern gleichzeitig auch für die Getreide- und Maisernte und erbat bessere Ernte für das kommende Jahr. Lange Zeit von der katholischen Kirche verboten (stattdessen schuf diese die Feier des "Corpus Christi", die ebenfalls im Juni landesweit abgehalten wird), lebte das Inti Raymi erst 1942 wieder auf und wird seitdem am 24. Juni, dem Tag der Bauern, gefeiert. Es findet auch nicht mehr auf dem Hauptplatz in Cusco statt, sondern auf der weitläufigen Anlage Sacsayhuaman, einer ehemaligen Inkafestung, die dem Schutze Cuscos diente. Die Riten und Zeremonien wurden über Jahrhunderte mündlich überliefert und sind so erhalten geblieben.